Stellungnahme: SOS Inklusion

SOS Inklusion: Zur Zeit wird das Personal an den Schulen verheizt

Ergänzung zum Memorandum des Hamburger Bündnisses für schulische Inklusion

Schon im März 2012 hatte die Lehrerkammer darauf hingewiesen, dass die von der Politik angestrebte und jetzt umgesetzte Form der Inklusion ein Sparmodell ist, und dass es ein Fehler ist, die erfolgreichen Systeme der I/IR-Klassen abzuschaffen. An der Unterfinanzierung werden die Unterrichtsqualität und die Förderqualität leiden.

Dabei fängt die wirkliche Arbeit jetzt erst an.

Für das – auch vom Hamburger Bündnis für schulische Inklusion – angestrebte Ziel der Inklusion in allen Schulformen muss das gesamte Personal an allen Schulen befähigt und wirksam unterstützt werden, damit Inklusion im Schulalltag wirksam umgesetzt werden kann. Lehrkräfte, die bisher allgemeine Erziehungs- und Bildungsarbeit leisteten und deren Ausbildung und Stundendeputat nur dafür ausgelegt waren, müssen in die Lage versetzt werden, zusätzlich selber inklusiven Unterricht zu erteilen. Dies stellt eine nie dagewesene Zäsur im Schulalltag dar.

Ohne erhebliche zusätzliche Arbeitszeit und neue Stellen wird Inklusion an Regelschulen scheitern, weil SchülerInnen mit sonderpädagogischem Förderbedarf sonst in Gefahr geraten, zum lästigen Sand im Getriebe in einem traditionellen Fachunterricht zu werden. Genau dies aber soll Inklusion vermeiden.

Die Lehrerkammer schlägt deshalb noch einmal vor, in Hamburg zu der langjährig hervorragend bewährten Ausstattung der I/IR-Klassen zurückzukommen. Die systemische Ressource sollte sich daher an dem Zwei-Pädagogen-System (Doppeltbesetzung) der I/IR-Klassen orientieren.

Zahlreiche Praxisprobleme müssen an den Schulen schnellstmöglich ausgeräumt werden. Dies betrifft etwa die Probleme beim Ausfall (z. B. Krankheit) einer Lehrkraft und die fehlende Verfügbarkeit qualifizierten Personals. Inklusionstaugliche Bildungspläne fehlen immer noch. Der diagnostische Vorlauf wird von der Behörde nicht ausreichend (durch Arbeitszeitzuweisung) abgesichert. Und oftmals reicht das Raumangebot nicht für pädagogisch sinnvolle Inklusionsmaßnahmen.

Wo bleibt die Unterstützung für die Schulleitungen und FörderkoordinatorInnen, die die Organisation und Struktur der Förderung an ihrer Schule planen müssen?

Engagierte Kolleginnen und Kollegen fühlen sich im Alltagsgeschäft allein gelassen. Unter diesen Bedingungen verliert Inklusion an Zuspruch. Die Lehrerkammer appelliert an die Politik und Verwaltung, diese Probleme ernst zu nehmen und wirksame Unterstützung zu organisieren – im Interesse aller SchülerInnen.

Zur Zeit sind an vielen Schulen die KollegInnen massiv überlastet und Fehlentwicklungen werden in ihrer Tragweite unterschätzt oder ignoriert. Die Lehrerkammer fordert die Politik auf, Inklusion endlich zu dem zu machen, was sie sein soll.

pdf: LKSt_141106_SOS_Inklusion

Mehr zur Inklusion in unserer Stellungnahme vom 23.02.2012: LKSt_120223_InklusionSOS 

Das Memorandum des Hamburger Bündnisses für schulische Inklusion finden Sie hier und unter www.buendnis-inklusion.de.

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